Mach es gut, Manni

Lieber Mannfred,

vor acht Jahren kamst du aus dem Tierheim zu uns. Damals lag bereits eine schwere Zeit hinter dir. Eine Zeit des Wartens, zwischen fremden Geräuschen, fremden Menschen und anderen Hunden. Tag für Tag, ohne zu wissen, ob irgendwann jemand kommen würde, der nicht nur an dir vorbeiging, sondern stehen blieb und sagte: Komm, du gehörst jetzt zu uns. 🥰

Ich weiß nicht, wie einsam du dich damals gefühlt hast. Ich weiß nicht, wie oft du gehofft hast, dass sich die Tür endlich für dich öffnen würde. Dieser Gedanke macht mich bis heute traurig.

Und dann kamst du zu uns.

Aus dem Tierheimhund Mannfred wurde ganz langsam unser „Manni“.

Du brauchtest deinen Platz, deine Gewohnheiten und natürlich auch deine ganz eigenen Regeln. Und davon hattest du einige. Manchmal hatte ich ohnehin den Verdacht, dass nicht wir dich aufgenommen hatten, sondern du nach einer gewissen Eingewöhnungszeit beschlossen hattest, uns zu behalten.

Eine deiner besonders drolligen Eigenheiten werde ich wohl nie vergessen: Vom Essen hast Du oft ein kleines Bisschen „eingelagert“. Für schlechte Zeiten musste schließlich vorgesorgt werden. Also verschwand das kleine Stückchen kurzerhand unter dem Teppich oder wurde unter der Couch versteckt. 😋🍕🍔🍟🌭😁😂😂

Nicht immer war das Versteck besonders geheim. Aber du schienst mit deinem Werk zufrieden zu sein.

Heute muss ich darüber lächeln, auch wenn mir dabei gleichzeitig die Tränen kommen. Vielleicht steckte in dieser kleinen Angewohnheit sogar noch etwas von deiner früheren Zeit. Vielleicht hattest du irgendwann gelernt, dass man besser etwas aufbewahrt, weil man nie genau weiß, wann es wieder etwas gibt. Ich werde es nie erfahren.

Aber bei uns hättest du das nicht mehr tun müssen, mein alter Junge.

Bei uns war genug für dich da.

Du konntest auch mit einem einzigen Blick ziemlich deutlich machen, was du von bestimmten Dingen hieltest. Besonders dann, wenn etwas nicht schnell genug ging oder deiner Meinung nach vollkommen überflüssig war. Und sobald irgendwo etwas Essbares auftauchte, schien dein Alter plötzlich nebensächlich zu werden. Dann warst du erstaunlich aufmerksam und auf wundersame Weise immer genau dort, wo es interessant wurde.

15 Jahre alt bist du geworden. Ich wusste, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem wir dich gehen lassen muss. Aber darauf vorbereitet sein kann man wohl nie. Der Verstand sagt mir, dass du ein langes Leben hattest. Mein Herz sagt nur, dass ich dich gerne noch ein bisschen länger bei mir gehabt hätte.

Wenn ich heute an dich denke, sehe ich nicht nur deinen letzten schweren Weg. Ich sehe den „Manni“, der vor acht Jahren noch allein im Tierheim saß und nicht wissen konnte, dass da draußen bereits ein anderes Leben auf ihn wartete.

Acht Jahre, in denen du nicht mehr warten musstest.

Acht Jahre mit einem eigenen Zuhause. Mit vertrauten Stimmen und vertrauten Händen. Mit deinem Platz, deinen kleinen Marotten, deinen heimlich angelegten Vorräten und all diesen scheinbar belanglosen Augenblicken, die heute plötzlich unbezahlbar geworden sind. ❤️❤️❤️

Ich hoffe so sehr, dass diese acht Jahre ein wenig von der traurigen Zeit davor wiedergutmachen konnten. Dass du irgendwann verstanden hast: Ich muss nicht mehr warten. Ich bin angekommen. Ich bin zuhause.

Und vor allem hoffe ich, dass du gewusst hast, wie sehr ich dich geliebt habe.

Danke, Mannfred. Für acht Jahre. Für dein Vertrauen. Für dein eigenwilliges Wesen. Für die kleinen Momente, über die ich heute noch lächeln kann, obwohl gleichzeitig die Tränen kommen.

Mach es gut, mein lieber alter Junge.

Und wenn es diesen Ort hinter dem Regenbogen wirklich gibt, dann hoffe ich, dass dort immer genug für dich da ist.

Wobei ich dich kenne: Wahrscheinlich versteckst du trotzdem vorsichtshalber irgendwo einen kleinen Rest für später.

Wir vermissen dich, Manni.

Und wir werden dich niemals vergessen. 🌈🐾

Carola und Jörg

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